Albanien mit seiner Geschichte und Kultur wird nicht nur durch Schriften sondern auch durch Fotografie entdeckt.
Einige frühe Fotosammlungen bieten seltene Einblicke in die Vergangenheit des albanischen Volkes.
Frühe Fotografie in Albanien
Robert Elsie
Erste Fotografen in Albanien und im Südwesten der Balkanhalbinsel
Auf seiner Reise durch Albanien, Kosova und Mazedonien im Herbst des Jahres 1863 wurde Johann Georg von Hahn
(1811-1869), der Begründer der Albanologie, von dem Wiener Fotografen Josef Székely (ca. 1838-1901) begleitet, der
einige der frühsten Fotografien von Albanien gemacht haben soll. Seine aus fünfzig Aufnahmen bestehende
Sammlung enthält Bilder von Shkodra, Prizren, Ohrid und Monastir (Bitola).
Am Ende des neunzehnten und in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts war es keine Seltenheit mehr,
dass Forscher und Reisende ihre Kodaks und sonstige Fotoapparate mitnahmen und das, was sie in Albanien sahen
und erlebten, in Bilder festhielten. Einige Bilder - nicht immer von hoher Qualität - dienten als Illustrationen in ihren
Büchern. Andere Sammlungen wurden nie veröffentlicht und warten - hundert Jahre später - entdeckt zu werden.
Die Geschichte der einheimischen Fotografen in Südwesten der Balkanhalbinsel steht in erster Linie mit zwei
bekannten Sammlungen in Verbindung.
Die Marubi-Fotosammlung (Fototeka Marubi) in Shkodra enthält ca. 150.000 Aufnahmen, viele von ihnen von
unschätzbarem historischen, kunsthistorischen und kulturellen Wert. Sie ist die Arbeit dreier Generationen. Pietro
Marubbi oder Marubi (1834-1903) war ein italienischer Maler und Fotograf, der als Anhänger von Garibaldi aus
politischen Gründen seine Heimatstadt Piacenza in Norditalien verlassen musste. Ca. 1850 siedelte er in Shkodra und
gründete dort mit mitgebrachten Fotoapparaten das erste Fotogeschäft Albaniens, Foto Marubi. Die ältesten
Aufnahmen der Sammlung sollen aus den Jahren 1858-1859 stammen. Einige Bilder wurden in den Zeitschriften The
London Illustrated News, La Guerra d'Oriente und L'Illustration veröffentlicht. Als Lehrlinge nahm er den junge
Rrok Kodheli (1862-1881) und seinen Bruder, Kel Kodheli (1870-1840) auf, der später nach dem Tod von Pietro das
Familiengeschäft übernahm und seinen Namen in Kel Marubi änderte. Er wandte neue Techniken mit Sondereffekten
an und lernte, die Negative geschickter zu bearbeiten. Kel Marubi begann außerhalb des Studios zu fotografieren und
zwar mit besseren Apparaten.
Eng verwandt mit den Marubis war auch der Fotograf und Maler Kolë Idromeno (1860-1939) von Shkodra. Mit der
Unterstützung von Pietro Marubbi, von dem er die Kunst des Fotografierens gelernt hat, reiste Idromeno in Jahre 1875
nach Venedig, um dort an der Kunstakademie zu studieren. Er gab sein Studium nach sechs Monaten auf, blieb
allerdings in Venedig und arbeitete einige Jahre bei einem venezianischen Maler, bis er 1878 nach Albanien
zurückkehrte. Im Jahre 1883 öffnete er in Shkodra ein Fotostudio mit Fotoapparaten, die er von der Pathé-Gesellschaft
in Frankreich eingeführt hatte. 1912 führte er als erster in Albanien auch einen Filmprojektor ein und zeigte Filme. Im
August 1912 unterschrieb er einen Vertrag mit der österreichischen Firma Josef Stauber, und eröffnete das erste kleine
Kino in Albanien.
Die dritte Generation von Marubi-Fotografen war Kels Sohn, Gegë Marubi (1907-1984). In den Jahren 1923-1927
studierte dieser im französischen Lyon an der ersten von den Lumière-Brüdern gegründeten Foto- und Filmschule und
arbeitete von 1928-1940 in Shkodra als Berufsfotograf. Er war der erste der Marubis, der vorwiegend mit Zelluloid
statt mit Glasplatten arbeitete.
Die Marubi-Sammlung dokumentiert nordalbanische Geschichte und Kultur von der Zeit der Liga von Prizren bis in
die 1930er Jahre, und enthält einmalige Porträts von Stammesführern und Aufnahmen von Aufständen im Hochland,
vom Stadtleben und von historischen Ereignissen in und um Shkodra. Wenige Bilder dieser großen Sammlung wurden
bisher veröffentlicht. Seit dem Jahr 1994 gibt es Bemühungen mit Unterstützung der UNESCO, die Sammlung zu
retten und sie der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
Die andere große Sammlung balkanischer Fotografie und Kinematografie ist die der Manakis-Brüder in Mazedonien.
Jannaki Manakis (1878-1954) und sein Bruder Milton Manakis (1882-1964) wurde im Dorf Avdela bei Grevena - jetzt
in Nordgriechenland - geboren. Sie waren aromunischer (wlachischer) Abstammung. Von 1898-1904 besaßen sie ein
Fotogeschäft in Janina (Ioannina), siedelten dann im Jahre 1905 nach Monastir (Bitola) - in der jetzigen Republik
Mazedonien - um, wo sie ein Studio für Fotografische Kunst eröffneten. Jannaki und Milton Manakis machten über
17.300 Fotoaufnahmen an ca. 120 Orten. Im Jahre 1905 drehten sie den ersten kurzen Film des Balkans.
In Albanien selber befinden sich zusätzlich die Sammlungen von Shan Pici (ca. 70.000 Aufnahmen), Dedë Jakova (ca.
50.000 Aufnahmen) und Raboshta, die alle eng mit der Marubi-Schule in Shkodra verwandt sind. Andere wichtige
Fotosammlungen in Albanien befinden sich in Korça. Unter ihnen sind die Sammlungen von Petro Dhimitri (1861-
1946), ursprünglich ein Wanderfotograf aus den 1890er Jahren; Kristaq Sulidhi, der in Griechenland sein Handwerk
gelernt hat; und Vani Burda aus Bukarest, der in den 1920er Jahren ein Fotogeschäft in Korça eröffnete. Von
besonderem Interesse ist auch Kristaq Sotiri (1883-1970) aus Korça, der bei Sulidhi lernte, im Jahre 1902-1903 in die
USA auswanderte und in New York und Los Angeles als Fotograf tätig war. Nach seiner Rückkehr nach Korça im
Jahre 1923 eröffnete er mit seinem Freund, dem Landschaftsmaler Vangjush Mio (1891-1957) das in Südostalbanien
später bekannte Fotostudio Sotiri. Von dieser Sammlung sind ca 14.000 Aufnahmen erhalten geblieben. Noch zu
erwähnen sind Ymer Bali aus Tirana, Mandi Koçi (1912-1982) aus Voskopoja, Jani Ristani aus der Gjirokastra-
Gegend, Misto Cici aus Pogradec und Xhimitiku aus Berat. 'Last but not least' in der Geschichte der albanischen
Fotografie - obgleich nicht unmittelbar mit Albanien verbunden - ist der Name von Gjon Mili (1904-1984), der 1923
in die USA auswanderte, an dem Massachussetts Institute for Technology studierte und sich anschließend als Fotograf
für bekannte amerikanische Zeitschriften wie Life und Fortune einen Namen machte.
Diese Internetseiten
Mit diesen Internetseiten wird nicht der Versuch unternommen, eine systematische Darstellung albanischer Fotografie
zu liefern. Vielmehr sollen einige bisher wenig bekannte Fotosammlungen über Albanien und die Albaner präsentiert
werden.
Robert Elsie
Székely
1863
Nopcsa
1903 - 1916
Doda
1907
Niederländische
Militärmission
1913 - 1914
Tschamische
Flüchtlinge
1945
Robinson
1939
1944 - 1945
Lambertz
1913 - 1914
1916
Den Doolaard
1932
Liebert
1902 - 1908
Steinmetz
1903 - 1908
Gušić
um 1947
Siebertz
1909
Busch-Zantner
1939