Die Fotosammlung des

Branimir Gušić

Albanien um 1947

English | Shqip Branimir Gušić (6. April 1901 - 6. Juli 1975) stammte aus einer alten kroatischen Familie. Sein Studium der Medizin schloss er im Jahre 1926 an der Medizinischen Fakultät in Agram (Zagreb) ab. Als Facharzt und Professor der Otorhinolaryngologie (Hals-, Nasen- und Ohrenkunde) war Gušić eine bekannte Figur der kroatischen Medizin. In den Jahren 1945-1947 und ab 1956 war er Dekan der Medizinischen Fakultät in Agram und ging im Jahre 1971 in Rente. Er war auch Mitglied der Jugoslawischen Akademie der Wissenschaft und Kunst. Bildunterschriften Gušić's Aufmerksamkeit galt nicht nur der Medizin. Er war auch leidenschaftlicher Wanderer und Bergsteiger. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er Vorsitzender des Bergvereins Sljeme in Agram, der kroatischen Bergsteigergesellschaft und des kroatischen Rates für Naturschutz. Gušić interessierte sich besonders für die sich im Grenzgebiet Montenegro-Albanien-Kosovo befind- lichen Dinarischen Alpen, die er von den 1930er bis in die 1960er Jahren mehrmals bereiste und erforschte. Er war Verfasser eines Buches über den montenegrinischen Berg Durmitor (2522 M.) sowie eines im Jahre 1930 gedrehten Dokumentarfilmes über eine Bergsteigerexpedition dorthin. Er bestieg den nordalbanischen Berg Kokërdhake (2508 M.) und verbrachte viel Zeit um den Jezerca (2694 M.), den höchsten Gipfel des nordalbanischen Bjeshkët e Nemuna (Prokletije)- Gebirges. Branimir Gušić war auch Volkskundler. Im Jahre 1928 promovierte er an der Philosophischen Fakultät in Agram mit der Dissertation “Geneza i elementi mljetske seljačke kuće” [Ursprung und Elemente von Bauernhäusern auf der Insel Mljet]. Auch seine Ehefrau, Marijana Gušić (1901- 1987), langjährige Direktorin des Ethnographischen Museums in Agram, war als Volkskundlerin bekannt. Forschungstätigkeiten führten das Paar nicht nur nach Montenegro und Kosovo, sondern auch nach Albanien, das sie sowohl vor wie auch nach dem Zweiten Weltkriegs bereisten. Marijana Gušić ist für ihre wissenschaftliche Arbeit über das xhubleta (nordalbanisches Frauenkleid) in Erinnerung geblieben und bereicherte das Agramer Museum mit einer beträchtlichen Sammlung nordalbanischer Volkstrachten und Objekte. Die Fotosammlung des Branimir Gušić, zu der keine Unterlagen bestehen, scheint Ergebnis einer Forschungsreise nach Albanien um das Jahr 1947 zu sein. Von den Aufnahmen, die nicht alle identifiziert worden sind, ist ersichtlich, dass Gušić und seine Reisegefährten nicht nur die Berge im Norden sondern auch Südalbanien bereisten: Elbasan, die Himaraküste, Gjirokastra, Përmet, Leskovik, Vospokpoja im Gebiet Korça und den Ohridsee. Stets arm und rückschrittlich war Albanien durch die Ereignisse des albanischen Bürgerkrieges (1943-1944) und des Zweiten Weltkrieges (1939-1944) um 1947 wirtschaftlich am Boden. Die neuen kommunistischen Machthaber hatten das Land streng von der westlichen Welt abgeriegelt. Auch aus diesem Grund sind die Fotoaufnahmen des Branimir Gušić des Jahres 1947 einmalig und von großer Bedeutung. In den Jahren 1945-1948 ging Albanien eine kurzfristige politische Allianz mit dem kommunistischen Jugoslawien ein. Von diesen Umständen profitierte Gušić wohl, um die Reise überhaupt unternehmen zu dürfen. Im Sommer 1948 trennte sich Albanien von Jugoslawien und zog sich in die stalinistische Isolation zurück. Ab diesem Zeitpunkt erfuhr der Westen wenig über das Land. Diese Fotos zeigen nichts von dem Terrorregime der Nachkriegsjahren, doch sie bieten sachliche und in vielen Fällen schöne Ansichten albanischer Städte und Landschaften, wie der kroatische Fotograf sie erlebt hat. Zu Dank verpflichtet sind wir Herrn Anton Kaçinari aus Agram und Herrn Bejtullah Destani des Centre for Albanian Studies in London dafür, dass sie diese einmalige Sammlung zur Verfügung gestellt haben. Robert Elsie
Robert Elsie Frühe Fotografie in Albanien